Lesen und Denken

Ob das ein Sieg gewesen war…

…sie erschienen wie Verbündete, denn an der Welt des anderen waren sie jeweils unbeteiligt und konnten höchstens ein wenig mitfühlen oder dieses und jenes Wort mitgeben. Aber auch dieses Zusammenstehen war nichts Festes und Verlässliches, denn obwohl es zwar niemals widerrufen wurde, konnte es aber zuweilen auch monatelang nicht zustande kommen,aus dieser oder jener Miesslichkeit oder Unverständigkeit. Eher war es ein Sieg, wenn es dennoch zustande kam, auf Augenhöhe, wie man sagt, eine Begegnung Grundverschiedener, aus der nichts geschlossen werden konnte und nichts abzuleiten war, eine Begegnung gleichwohl, die sie ein wenig veränderte, und sei es auch nur, dass sie einen wacheren Blick hatten und gehalten zurückkehrten in ihr Jeweiliges.
…aus „Das fünfzigste Jahr“ von Peter Deibler

Frei durch die Liebe

…Dennoch würde sie ihn weiter lieben, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren hatte, was Freiheit war. Sie konnte ihn lieben, selbst wenn er es niemals erfahren sollte. Sie brauchte nicht seine Erlaubnis, um sich nach ihm zu sehnen, den ganzen Tag an ihn zu denken, ihn zum Abendessen zu erwarten und sich zu ängstigen, was für ein Komplott wohl gegen ihn im Gange war.
Das war die Freiheit: fühlen, was ihr Herz begehrte, egal was die anderen davon halten mochten….
…aus „Der Fünfte Berg“ von Paulo Coelho

 

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